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Expert unter Druck: Kooperation sucht neuen Kurs

Sinkende Umsätze, weniger Märkte und ein schwieriges Marktumfeld prägen derzeit den Elektronikfachhandel. Auf seiner Frühjahrstagung in Hannover stellte Expert die Strategie „2030+“ vor – mit mehr Onlinegeschäft, exklusiven Sortimenten und neuen digitalen Werkzeugen für den Verkauf.
Expert-Vorstand

Der Vorstand der Expert SE stellte auf der Frühjahrstagung in Hannover die Strategie „2030+“ vor (v. l.): Christoph Komor, Holger Pöppe, Stefan Müller und Daniela Schreckling

© Expert SE

Die Lage im Elektronikhandel bleibt angespannt, und auch Expert bekommt die Entwicklung deutlich zu spüren. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2026 rechnet die Kooperation mit einem Umsatz von etwas mehr als zwei Milliarden Euro. Damit würde sich der rückläufige Trend der vergangenen Jahre fortsetzen: Nach 2,20 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2023/24 sank der Innenumsatz im Folgejahr auf 2,12 Milliarden Euro.

Auch im laufenden Jahr bleibt die Entwicklung schwierig. In den ersten neun Monaten lag der Umsatz mit rund 1,4 Milliarden Euro rund fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Finanzvorständin Daniela Schreckling verwies auf eine anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher. „Das noch laufende Geschäftsjahr ist von einer spürbaren Konsumzurückhaltung geprägt“, erklärte sie auf der Pressekonferenz am Rande der Frühjahrstagung.

Markt schwach, Entwicklung verhalten

Die Probleme beschränken sich allerdings nicht auf Expert. Der Elektronikmarkt insgesamt entwickelt sich derzeit nur verhalten. Besonders deutlich gingen zuletzt die Umsätze in der Unterhaltungselektronik zurück, während der IT-Bereich als einzige größere Warengruppe noch leicht wachsen konnte.

Expert liegt mit seinem Umsatzrückgang zwar etwa auf dem Niveau der direkten Wettbewerber, bleibt jedoch hinter der Entwicklung des Gesamtmarktes zurück. Gleichzeitig schrumpft auch das Filialnetz der Kooperation. Die Zahl der Fachmärkte sank von 287 im Geschäftsjahr 2023/24 auf 285 im Jahr darauf und soll im laufenden Geschäftsjahr auf rund 278 zurückgehen. Auch die Verkaufsfläche nimmt weiter ab.

Für die Verbundgruppen im Elektronikhandel erhöht sich damit der Anpassungsdruck. Der Wettbewerb verschärft sich nicht nur durch Onlineanbieter, sondern auch durch neue Hersteller und Marken, die verstärkt aus China auf den europäischen Markt drängen.

Expert-Stand auf der KOOP

Expert SE

© Blick in die Ausstellung der KOOP-Messe in Hannover, auf der sich Industriepartner und Händler im Rahmen der Expert-Frühjahrstagung austauschten
Strategie 2030+ soll Profil schärfen

Vor diesem Hintergrund präsentierte Expert auf der Frühjahrstagung erstmals seine neue Strategie „2030+“. Sie setzt auf mehrere Hebel: den Ausbau des Onlinegeschäfts als Ergänzung zum stationären Handel, intensivere Schulungen für Fachberater, interne Effizienzprogramme sowie eine stärkere Fokussierung auf strategische Industriepartner. „Die aktuellen Marktbedingungen fordern uns in besonderem Maße“, erklärte Vorstandsvorsitzender Stefan Müller. Entscheidend sei deshalb eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Kooperation und mit den Industriepartnern.

Im Onlinegeschäft sieht Expert weiterhin Wachstumspotenzial. Der Anteil liegt derzeit bei rund zehn Prozent. Zuletzt konnte die Kooperation ihre Onlineumsätze um mehr als 20 Prozent steigern. Die Verbundgruppe baut zudem seine Präsenz auf Online-Marktplätzen aus. Neben eigenen Angeboten sind Händler der Kooperation inzwischen auch über Plattformen wie eBay, Kaufland und Otto erreichbar.

Exklusive Sortimente für den Fachhandel

Ein wichtiger Bestandteil der neuen Strategie ist eine veränderte Sortimentspolitik. Neben Produkten für den Onlineverkauf plant Expert ein spezielles „Fachhandelssortiment“ mit exklusiven Varianten einzelner Geräte, die gezielt für den stationären Verkauf vorgesehen sind. Damit will die Kooperation ihren Händlern eine stärkere Differenzierung gegenüber dem Onlinehandel ermöglichen. Hintergrund ist die zunehmende Preistransparenz im Internet, die Vergleichbarkeit und Preisdruck erhöht. Exklusive Produktvarianten sollen es den Fachhändlern erleichtern, Beratung und Service stärker in den Vordergrund zu stellen.

Zusätzlich baut Expert die digitale Unterstützung am Point of Sale aus. Mit dem „Expert-KI-Ratgeber“ stellt die Kooperation ihren Mitarbeitern ein neues Werkzeug zur Verfügung, das sie im Beratungsgespräch unterstützen soll. Das System liefert Antworten auf Fragen zu Serviceprozessen, Gewährleistungsfällen oder zum europäischen „Recht auf Reparatur“. Ziel ist es, komplexe Informationen schnell verfügbar zu machen und die Mitarbeiter im Verkauf zu entlasten.

Unter dem Motto „Kunden zu Fans machen“ will Expert zudem die Schulungsprogramme für Fachberater weiter ausbauen und Marketingkampagnen stärken. Rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 plant die Kooperation erneut Aktionen mit Markenbotschafter Rudi Völler, um zusätzliche Frequenz in die Märkte zu bringen.

Parallel engagiert sich Expert gemeinsam mit anderen Handelsorganisationen – darunter Euronics und ElectronicPartner – in der sogenannten „Kooperation der Kooperationen“. Ziel ist es unter anderem, beim Thema „Recht auf Reparatur“ gemeinsame Lösungen für den Fachhandel zu entwickeln.

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